Sonntag, 3. April 2011

Wie der Unternehmer Bruno Gmünder sein kommerzielles Selbstbewusstsein steigert

Ausschnitt aus MÄNNER aktuell 04/1991, im Original schwarz/weiss.
Zur Illustrierung des heutigen Themas wurde KOMMERZ rot umgefärbt.
Zum besseren Verständnis des heutigen Themas wird (wieder einmal) die Zielsetzung des Bruno Gmünder Verlag (in Wikipedia) vorangestellt:
"... hat sich zum Ziel gesetzt, für schwule Männer Bücher zu produzieren, die für die Entfaltung eines schwulen Selbstbewusstseins und eines eigenen Lebensstils gebraucht werden..."

Zu dieser Entfaltung schwulen Selbstbewusstseins gehören neben der Produktion, auch Vertrieb und Verkauf. Neben Bildbänden und Belletristik, Sachbüchern und Adressbüchern also auch Magazine wie MÄNNER und Spartacus Traveller, das Pornomagazin Porn-Up und Porno-Comics - Unterwäsche, Penisschwämme, Gleitmittel, Analspray und Erektionshilfen - Dildos, Vibratoren und Schwanzringe. Und zur Entfaltung eines eigenen Lebensstils Pornovideos.. via Einzelhandel, in bruno's und - ganz aktuell - das Gmündersche pornup.tv, ein Male Hardcore Pay-per-view. 

Ohne all das kommt der Schwule nämlich nicht aus dem Schrank (coming out of the closet with Bruno).


Das Werbeflagschiff das diese umfassend schwule Produktpalette transportiert, war und ist MÄNNER (in all seinen Namensversionen). Schwerpunktmässig beworben wurden/werden Bücher. Aber auch Unterhosen. Und MÄNNER machte mächtig Reklame für (die vertriebseigenen) Pornoproduktionen...


Wir haben uns mal willkürlich ein Heft herausgefischt und zusammengezählt: MÄNNER 12/2004 enthält bei 116 Seiten Umfang, sage und schreibe 38 (achtunddreissig) Seiten Werbung (Eigen- und Fremdanzeigen plus Kleinanzeigen). Das heisst, 1/3 des Heftes sind purer KOMMERZ, auch genannt Reklame. Das Jahr 2004 ist insofern interessant...
... als sich die Callboy- und Telefonsexanzeigen - beginnend mit dem Januarheft - geradezu explosionsartig in MÄNNER ausbreiten.

Bruno Gmünders Selbstbewusstseins-Illustrierte trennt auch nicht zwischen Redaktion und Werbung, will sagen, über den reinen Anzeigenteil hinaus ist das Magazin eine schamlose "Verkoofe".


In Heft  11/202, Seite 27, testet Chefredakteur Frank Jaspenmüller den Philishave 6000... Mit (nicht uneigennützigen) Kolumnen häufig vertreten "Star-Visagist" René Klein und "Promi-Friseur" Udo Walz. Mittendrin im Artikel "Tempel der Lust" (über schwule Saunen) ist der Spartacus Sauna Guide optimal plaziert ("Damit Sie nur im besten Tempel landen..."). Und natürlich revanchiert sich MÄNNER bei regelmässigen Anzeigenkunden, wie bspw. Topman, hin und wieder mit redaktionellen Präsentationen...


Hier "Neue erotische Slips" in 01/2003 auf Seite 74, für ein Produkt, das der Versender damals bereits seit über zehn Jahren im Programm hatte.

Orions Webadresse wurde hier zur Kenntlichmachung vergrössert
Solch "schleichende" Produktwerbung für Kosmetik, Sex-Toys, schwule Hotels und und und... ist regelmässiger Bestandteil des redaktionellen MÄNNER-Teils. Hier für das Sex-Unternehmen Orion in 11/2002, Seite 76.


Zu den regelmässigen hauseigenen Anzeigen und unregelmässigen "redaktionellen" Berichten gehören u.a. die Porno-Labels Kristen Bjorn, Titan Men, Bel Ami und - wie hier - Hot House. Alles Pornoproduktionen, die in der Bruno Gmünder "Distribution" exklusiv an den Handel vertrieben und natürlich in bruno's eigenen Sex-Shops gestapelt sind.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Gmünder-Kunden mit all dem Geraffel Selbstbewusstsein entwickelt haben. Sicher aber ist, dass sich Bruno Gmünders Selbstbewusstsein von Umsatz zu Umsatz ins Unermessliche gesteigert hat.

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