Sonntag, 19. Juni 2011

Die taz bietet dem schwulen Selbstdarsteller zum Abschied noch einmal pralle zwei Seiten zur selbstgefälligen Selbstdarstellung. Empfehlung: taz abbestellen!


Mit himmelwärts sinnend, visionärem Blick steht er da - der schwule Weitsichtige - locker lehnend am Schöneberger bruno's, den Bart interviewsauber gestutzt, das Hemd brustfrei aufgeknöpft, auf einem schmucken halbseitigen Buntfoto. Der Rest ist eine vollgefüllte taz-Textseite, ein Interview, das der schwule Martin Reichert, 38, sonntaz-Redakteur, und der schwule Paul Wrusch, 26, taz-Redakteur, mit einem "der 10 mächtigsten Schwulen aus Deutschland" geführt haben. Sozusagen ein Imperiums-Abschieds-Ausflug in die geistige Wonderworld des mächtigen Bruno Gmünder.

Zugegeben, die beiden taz'ler versuchen sich auch in ein paar kritischen Fragen. Summa summarum handelt es sich jedoch um eine mächtig aufgeblasene, selbstgefällige Selbstdarstellung. Kein (Ex)Mitarbeiter, kein Konkurrent, kein Wegbegleiter, kein Kritiker ... wird auch nur erwähnt, geschweige, dass irgendjemand sonst zu Wort käme. Und auch der schwule Medienpapst hat an sich und seinem Werk natürlich nichts auszusetzen. Ein bisschen ausgenommen die Sache mit der Pädosexualität. Bei all dem, was aus ihm heraussprudelt, handelt es sich um seine ureigene, erschreckend einseitige Sicht - Sichtweisen anderer Menschen existieren nicht für einen Bruno Gmünder.


Und wie von ihm gewohnt, kotzt sich der hier plötzlich als Bisexueller Outende in den allerherrlichsten Verallgemeinerungen über andere aus.  

Die Community: "Am liebsten hätte ich eine Frau, Kinder und einen Liebhaber gehabt. Aber die ... Community hat das nicht zugelassen."

Die Schwulenverbände: "Aber was das Thema Pädosexualität angeht, da werfe ich aber auch unseren Schwulenverbänden vor, dass wir zur Missbrauchsgeschichte wahnsinnig intensiv und lautstark geschwiegen haben."

Die Linken (und das in der linken taz!): "Man kann in der Community sehr viel Spass haben. Sie ist sehr menschlich. Nicht so wie die Linken, verzehrend, brutal, gehässig ... Die Linken missbrauchen dich immer. Als Köder, als Verräter, sehr gerne. Zu gegebener Zeit lassen sie dich dann hochgehen ..." undsoweiter undsoweiter

Die deutschen Verlage: "Deutsche Verlage interessieren sich nicht für schwule Themen. Es gibt hierfür auch keine Leser jenseits der Homo-Community."

Der bevormundete Verleger: "Auch in der Schwulenszene stehen viele (!) auf Hetero-Pornos, das darf man aber nicht sagen, weil das politisch nicht korrekt ist."

Schwule Manager u.ä.: "...es ärgert mich immer noch, dass sich viele Schwule, die in Chefetagen angekommen sind, nicht outen." Ein Kommentar sozusagen im Rosa-von-Praunheim-Sprech. Das sagt ausgerechnet ein schwuler Unternehmer, der berühmt dafür war/ist, dass er des nachts in aller Verlagseinsamkeit die Schreibtischschubladen und Papierkörbe seiner Mitarbeiter durchwühlte.

Immerhin bequemt sich der Auch-Porno-Millionär - auf wiederholtes Nachfragen - erstmals etwas zu seinen Schmuddelkramgeschäften zu sagen. Und er beginnt gleich mit einer faustdicken Lüge: "Wir haben erst 2000 mit Pornos angefangen." Richtigstellung: Nur sieben Jahre nach Verlagsgründung, 1988, beginnen Bruno Gmünder und Christian von Maltzahn im bruno's, im Berliner Kudamm-Eck, mit schwuler Pornographie Geschäfte zu machen. Und die Bruno Gmünder Distribution war weit vor dem Jahr 2000 Exklusivvertrieb für diverse Pornoproduktionen. All das und mehr ist in diesem Blog nachzulesen...

Der Witz ist, Paul Wrusch hat sich vor der Gmünder-Befragung sehr wohl in brunoleaks kundig gemacht, aber bei der taz-Befrage die entsprechende Gehirnhälfte einfach ausgeschaltet. Mail vom 25. Mai 2011: "Lieber Blogger, Ich plane für die taz eine größere Geschichte über den Bruno Gmünder Verlag und würde daher gerne Kontakt zu Ihnen aufnehmen. Meine Kontaktdaten finden Sie unten in der Signatur. Beste Grüße Paul Wrusch"

Wie eingangs schon gesagt, andere Stimmen hätten die schwule Laune des launigen Selbstdarstellers wohl vermiest.



Und so übernimmt die taz in einer Art Kurzinfo über den Bruno Gmünder Verlag auch ungeniert, was im Internet - sauber und PR-gerecht - überall herumschwirrt: "Mitarbeiterstand von ca. 100 Männern" ... tja, das war einmal in goldigen Umsatzzeiten! Kein Wort über Porno-Magazine, Porno-Comics, Unterwäsche, Penisschwämme, Gleitmittel, Analspray und Erektionshilfen, Dildos, Vibratoren und Schwanzringe, das neue pornup.tv, den Grosshandels-Porno-Vertrieb oder die Pornoproduktionsbeteiligung (Cazzo) …



Anstelledessen, wie in allen offiziösen Bruno-Gmünder-Verlautbarungen, werden selbstverständlich der Mitgründer derAids-Hilfe (Angela Merkel: "Toll, dass Sie das gemacht haben"), der Tod des Lebenspartners und  die wohlfährtige Spendierlaune des 55jährigen (zum tausendsten Mal) ausführlichst miterwähnt...


"Man sollte auch mal stiller sein", resümmiert der Alt-Verleger am Schluss und sagt über Alice Schwarzer "Die kann nicht den Schnabel halten"... zieht aus solcherlei Weisheiten aber keinen Schluss für sich selbst.



 

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