Samstag, 26. Februar 2011

Wie Bruno Gmünder von 1987-1991 das "schwule Selbstbewusstsein entfaltet"

Pardon, wenn wir in dieser Gmünder-Sammlung manch ein Zitat öfter wiederholen. Für die Einzelbetrachtung von Einträgen und für deren Verständnis ist dies unabdingbar.

Zitat 1, Bruno Gmünder Verlag in Wikipedia
"Der Bruno Gmünder Verlag ... hat sich zum Ziel gesetzt, für schwule Männer Bücher zu produzieren, die für die Entfaltung eines schwulen Selbstbewusstseins und eines eigenen Lebensstils gebraucht werden..."

Zitat 2, Michael Föster im Vorwort der 1. Torso Ausgabe, Mai/Juni 1982
"... Wir wollen, dass 2 bis 3 Millionen Schwule in diesem Land mehr über sich erfahren..."

Zitat 3, Männer aktuell 7/2006, Seite 35
"... Zur Philosophie des Unternehmens meint Bruno Gmünder... Wir haben immer gesagt, wir müssen die Medien machen, die uns fehlen..."

Zu diesen "Medien, die uns fehlen", zählt Männer mit der Erstnummer:

Ein Medium, in dem Schwule in diesem Land mehr über sich erfahren. Ein
Medium, das uns fehlt: Heisse Männer. Scharfe Fotos. Aktuelle Kontakte.

Mit erstaunlichen zwei (2!) Impressen:


Denn Liberation Publications [LPI Media was the parent company of Specialty Publications, an American publisher of adult gay erotic and pornography publications.] versorgte den Bruno Gmünder Verlag mit Fotomaterial. Schon in der ersten Männer Nummer sind das 64 bunte Seiten Nacktfotos der bekannten US-Porno-Modelle mit mehr oder weniger angedickten Schwänzen. Der Rest stammt vom Gmünder Verlag: 16 Schwarz-Weiss-Seiten, 10 davon Anzeigen und Kleinanzeigen.

Und so sah - gliedmässig - der oft beschworene Anspruch der Herren
Gmünder und Maltzahn, "schwules Selbstbewusstsein entfalten" 
von Ende 1987 bis 1991 aus:

Abb. Männer 11/12, 1988

Abb. Männer 1/1990

Das Magazin Männer, das sich u.a. durch eine horrormässige Druckqualität auszeichnete, schwoll Dank kommerzieller und Kleinanzeigen, manchmal auf 100 Seiten Umfang an. Wobei - um ein Beispiel zu nennen - in der Ausgabe 2/1990, Umfang 84 Seiten, 10% = 8 1/3 Seiten Eigenwerbung des Bruno Gmünder Verlag sind. Und die Nummer 12/1991 mit u.a. 26 Seiten Kontakt- und Kommerzanzeigen fast schon als Kontaktheftchen bezeichnet werden kann.

Apropos Bruno Gmünder Engagement in Sachen Aids

Zitat 4, Bruno Gmünder Mail an Jens Reimer (siehe Blog-Eintrag 15.2.2011)
„... Seit 1982, also fast von Beginn meiner verlegerischen Tätigkeit begleitet mich die Seuche Aids ... Meine Antwort war u.a. die Mitbegründung der Deutschen Aids-Hilfe, ab 85 die Propagierung des Vernünftigen: Safer Sex ... und in allen unseren eigenen Produkten das Bestreben Jungs und Männern ein Handwerkszeug in die Hand zu geben, die Krise zu meistern ..."
Tatsächlich jedoch erschien zwischen dem Artikel "Spekulationen über

2 tückische Krankheiten bei Schwulen: Kaposi-Sarkom und PC"
in Torso März 1983...

...und dem Artikel "Die Sache mit dem Safer Sex" in Männer 1/2 1989...

... in Gmünders Magazinen nahezu 6 (in Worten: sechs) Jahre lang kein Wort über Aids und Safer Sex.

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